11.11.2018 - 70 Jahre Verein für Brunsbütteler Geschichte.

Am 11.11.1948 wurde unser Verein im damaligen Rathaus der Gemeinde Brunsbüttel, dem heutigen Heimatmuseum, gegründet. Zum 70. Jahrestag der Gründung lud der Vorstand des Vereins am Sonntag, dem 11.11.2018 zu einem Empfang in das Hotel Zur Traube ein. Zahlreiche Mitglieder und interessierte Gäste folgten der Einladung, unter ihnen unser neuer Bürgermeister Herr Schmedtje und Pastor Lempelius.

Vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung hatten die Gäste Gelegenheit, bei einem Glas Sekt oder Orangensaft Freunde und Bekannte zu begrüßen oder sich Dokumente, Fotos und Berichte aus der Geschichte des Vereins anzusehen, die an drei Stellwänden gezeigt wurden. Eröffnet wurde die Veranstaltung von unserem Ersten Vorsitzenden Heinrich Voß, der in seiner Begrüßung feststellte, dass der Verein ein fester Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt sei. Er führte dann aus der 1948 formulierten Vereinssatzung die Ziel des Vereins auf, die auch heute noch die Arbeit des Vorstandes bestimmen: Pflege des Heimatsinnes und des Geschichtsbewußtseins, Herausgabe von Büchern und sonstigen Schriften, Mitträgerschaft für das Heimatmuseum sowie Pflege und Erhaltung der im ehemaligen Kirchspiel Brunsbüttel und der Stadt Brunsbüttel vorhandenen geschichtlichen und kulturellen Baudenkmälern und Dokumente. Anschließend warf er einen Blick zurück auf die 70 Jahre seit der Gründung unseres Vereins. Dabei stellte er für jede der sieben Dekaden die Schwerpunkte der Vereinsarbeit heraus. Mit Blick auf das in fünf Jahren anstehende "echte" Jubiläum erwähnte er den Plan des Vorstandes, die Chronik fortzuschreiben, die zum 50. Geburtstag erstellt worden war.

         

Diese wurde für den heutigen Tag neu gedruckt und als Buch mit festem Einband allen Gästen der Veranstaltung kostenlos zur Verfügung gestellt.Danach gratulierte der Bürgermeister in einem Grußwort dem Verein zum 70- jährigen Bestehen und dankte den Mitgliedern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Lobend äußerte er sich über unsere Zeitschrift "Kleine Brunsbütteler Spuren", in der er sich über Brunsbüttels Geschichte informiert hat. In diesem Zusammenhang dankte er auch Ute Hansen vom Stadtarchiv für ihre Arbeit. Er wies darauf hin, dass ein Blick in die Geschichte zeige, wie gut es uns heute eigentlich gehe. Wenn die Menschen sich dies ehrlich eingestehen würden, würden einige Parolen heute verstummen.Pastor Lempelius überbrachte die Grüße und Glückwünsche der evangelischen Kirchengemeinde Brunsbüttel. Auch er wies wie seine Vorredner darauf hin, dass der heutige Tag gleichzeitig der 100. Jahrestag des Waffenstillstandes von Compiègne war, mit dem der erste Weltkrieg beendet wurde. Die Erinnerung an solche Ereignisse wach zu halten sei wichtig, denn wer die Geschichte nicht kenne, könne die Zukunft nicht gestalten. Er erklärte, dass am kommenden Sonntag, dem Volkstrauertag, der Kriegstoten gedacht werden solle, dass aber die Kirchengemeinde dabei neue Wege gehen wolle, indem sie Jugendliche in die Gestaltung des Gottesdienstes einbeziehe. Er lud alle Anwesenden zur Teilnahme daran ein.

         

Im Anschluss an seine Worte überreichte Frau Delventhal vom Kirchengemeinderat unserem ersten Vorsitzenden einen Kasten Pralinen, der die Arbeit bei der nächsten Vorstandssitzung versüßen soll. Der Festvortrag wurde vom langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden  Johannes Wöllfert gehalten. Thema war aus gegebenem Anlass das Ende des Ersten Weltkrieges und der Matrosenaufstand, der die Revolution 1918/19, häufig auch Novemberrevolution 1918 bezeichnet, auslöste. Der Referent betonte, dass der Meuterei der Matrosen eigentlich eine Rebellion der Admiräle vorausging, die trotz laufender Waffenstillstandsverhandlungen ohne Wissen und Erlaubnis der Reichsregierung die Flotte zu einer letzten Seeschlacht gegen England auslaufen lassen wollte. Der Marineführung sei klar gewesen, dass diese Schlacht nicht zu gewinnen war, aber sie habe dieses Vorgehen aus Gründen der Ehre für erforderlich gehalten. Als die Matrosen der vor Wilhelmshaven auf Reede liegenden Schiffe davon Wind bekamen, verweigerten viele den Befehl zum Auslaufen und die Heizer löschten auf einigen Schiffen das Feuer unter den Kesseln. Um die Meuterei unter Kontrolle zu bekommen und die Situation zu beruhigen, wurde die Flotte auseinander gezogen und ein Geschwader zurück nach Kiel geschickt, ein anderes nach Brunsbüttel. In Kiel entwickelte sich jedoch aus der Meuterei ein Aufstand der Matrosen, bei dem sie schnell von den Arbeitern der Werften und anderer Betrieb unterstützt wurden und schließlich die ganze Stadt und alle im Hafen liegenden Kriegsschiffe unter ihre Kontrolle brachten. Johannes Wöllfert ging auch auf die Ereignisse in Brunsbüttel in jenen Tagen ein, wo laut Kanalzeitung schon am 5. November 1918 von den Matrosen der hier liegenden Kriegsschiffe ein Soldatenrat gebildet wurde.

         

Ergänzt und unterstützt wurden seine Ausführungen durch zeitgenössische Fotos, die Klaus Schlichting zusammengestellt hatte und mit dem Beamer auf eine Leinwand projizierte. Nach dem Vortrag wurden die Teilnehmer der Veranstaltung an drei langen Tafeln mit Schnittchen und Getränken bewirtet. Dabei bestand Gelegenheit zu vielen interessanten Gesprächen.

Verfasser: Andreas Jacob