11.06.2018 - Historisches Gespräch zum Matrosenaufstand 1918

Auf Beschluss der Schleswig-Holsteinischen Landtages wurde zum 100. Jahrestag der sogenannten "Novemberrevolution 1918" im Rahmen der Erinnerungskultur eine mobile Ausstellung initiert, die an verschiedenen Ausstellungsorten, zu denen auch Brunsbüttel gehört, gezeigt wird.

Am 11.Juni fand das Treffen unseres Vereins mit 15 Personen in zwei Containern auf dem „Von Humboldt-Platz" statt. Die Containter wurde zu diesem Zweck von einem Büro für Ausstellungs- und Museumsplanung entsprechend konzipiert. 

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Die Ausstellungscontainer auf dem Brunsbütteler "Von- Humboldt- Platz"       

An diesem Abend hielt unser Vereinsmitglied Andreas Jakob einen Vortrag, in dem er auf die Ausstellung selbst nur kurz einging, weil die Anwesenden sich anschließend persönlich einen Eindruck davon verschaffen konnten.

Arbeiter und Soldaten erhoben sich im November 1918 gegen den unsinnigen Flottenbefehl, zu einer Entscheidungsschlacht gegen die britische Marine auszulaufen. Andreas stellte klar, dass der Befehl dazu von den Kommandeure der Marine eigenmächtig erteilt wurde. Dies hätte jedoch nur auf ausdrücklichen Beschluss des Kaisers und des Reichstages erfolgen dürfen.

Weiter wurde erläutert dass sich diese Revolution sich bis in das Jahr 1919 hinein erstreckte. In ihrem Verlauf wurden zwar viele Beteiligte verhaftet, aber nur verhältnismäßig wenig Menschen erschossen. Nur zwei Personen wurden offiziell als Rädelsführer verurteilt und in Köln hingerichtet.

Brunsbüttel war damals ebenfalls ein wichtiger Marinestandort und so lagen die Schleusen voller Schiffe der Kriegsmarine, auf denen rote Fahnen gehisst waren. Auch in unserem Ort bildete sich wie überall in Deutschland ein Soldaten- und Arbeiterrat. Um die Brunsbütteler Bevölkerung während der Revolte zu schützen, lautete einer der ersten Befehle, dass Plünderungen und weitere Unannehmlichkeiten im Ort sofortige standrechtliche Erschießungen nach sich ziehen würden.

In der Folge der Revolution von 1918/ 1919 ist daraus die erste Demokratie auf deutschem Boden entstanden, welche zum Kernbestand der modernen deutschen Freiheitsgeschichte gehört.

Andreas Jacob erläuterte, dass sich gerade in der heutigen Zeit daran erinnert werden muss, dass alle Bürger eine Mitverantwortung für den Schutz unserer Demokratie tragen.

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Heinrich Voß, Andreas Jacob, die Anwesenden vor und während des Vortrages

In der anschließenden Diskussion wurde bedauert, dass als Ausstellungsort wegen des Flohmarktes der Von Humboldt- Platz vor dem Elbeforum zugewiesen wurde. Die Bedeutung Ausstellung mit der Darstellung der historischen Ereignisse und seinen Folgen wurde nach Meinung der Anwesenden in Brunsbüttel nicht angemessen gewürdigt. Die Ausstellung wurde nur von sehr wenige Personen besucht. Gerade auf dem Flohmarkt hätten sehr viel mehr Menschen weit über Brunsbüttel hinaus erreicht werden können. Selbst ausschließlich die Kenntnisnahme der Jahreszahl 1918 hätte vermutlich sehr viel Menschen zum Erinnern gebracht oder nachdenklich gestimmt. Über die Kosten der Ausstellungsfläche hätte mit dem Veranstalter des Flohmarktes bestimmt Einigung erzielt werden können.

Verfasser: Andreas Jacob, Klaus Schlichting